7. Fragen an den Wiener Fotografen CLIFF KAPATAIS zu aktuellen Projekten und seinem neuen Buch „Porträtfotografie“

Der Wiener Fotograf CLIFF KAPATAIS im Interview zur aktuellen Situation in Coronazeiten, deren Einfluß auf seine Kreativprojekte und Vorstellung seines 360° Buches Porträtfotografie (MITP Profifoto Edition 2021).

Cliff, schön daß Du Dir die Zeit für unser 7.Fragen Interview genommen hast und wir freuen uns Dich hier auf bilderausstrom.com begrüßen zu dürfen!

Covid-19 hat ja derzeit enorme Auswirkungen auf uns alle. Ob Reisen, Treffen mit Freunden oder aber auch kreatives Arbeiten. Die Kreativwirtschaft und –kultur ist ja im besonderen davon betroffen. Wie sieht bei Dir als Fotograf derzeit ein aktueller Tag aus?

Natürlich betrifft Covid-19 uns alle sehr. Reguläre Kundeshootings finden derzeit kaum noch statt, auch wenn sie erlaubt sind. Verständlich, viele haben Angst, finden die Hygienevorschiften schwierig und verschieben Shootings, da sie andere Prioritäten haben. Auch im Werbebereich ist es schwierig. Da mein Fokus auf Essen, Hotels und Restaurants liegt und diese immer noch geschlossen sind, sind Aufträge derzeit spärlich gesät. Ich versuche das Beste aus der Situation zu machen und widme mich derzeit anderen Projekten. Ich habe zum Beispiel einen Fotografie-Stream auf Twitch begonnen, schreibe an meinem zweiten Buch und arbeite an neuen, spannenden Themen.

 
Du hast ja vor kurzem im MITP Verlag Dein neues Buch Porträtfotografie veröffentlicht. Wie ist die Idee zum Buch entstanden?

Die Idee habe ich schon länger mit mir herumgetragen. Als Fotograf liebe ich es mit Menschen zu arbeiten und sie zu porträtieren. Das ist immer spannend und immer unterschiedlich. Das vermittle ich auch schon seit Jahren in meinen Workshops. Dabei habe ich auch festgestellt, dass viele Fotografen oft mit denselben Problemen kämpfen. Diese sind meist keine technischen Probleme mit der Kamera oder dem Licht, sondern der Zugang zu den Menschen, die portraitiert werden sollen. Daraus entstand die Idee zu diesem konkreten Buch. Es geht darin also nicht nur um Lichtsetzung und Kameraeinstellungen. Das Buch befasst sich mit all jenen Dingen, die für ein gelungenes Porträt wesentlich sind, mit dem sowohl der Kunde als auch der Fotograf zufrieden ist. Etwa die Ideenfindung, wie man mit dem Kunden/ Model kommuniziert und seinem Gegenüber die Scheu vor dem Shooting nimmt, damit er sich öffnen kann und ein perfektes Bild entsteht.


Du beschreibst ja sehr schön holistisch das Thema Portraitfotografie als Prozess in alle Richtungen: von der Ideenfindung, über das Set-Up (Kamera, Studio, Licht) bis zum eigentlichen Shooting mit allen Beteiligten (Model, Styling, Maske) bis zur Nachbearbeitung. Wenn Du 3 Themen aus dem Buch wählen würdest – was sind Deine Lieblingsthemen darin?

Meine Lieblingsthemen sind ganz klar die Ausarbeitung einer Idee sowie das Finden von spannenden Modeln und Gesichtern. Oft kommt eine Bemerkung in die Richtung: Du fotografierst ja immer nur Gesichter, wird das nicht langweilig? Und da kann ich nur ganz klar antworten: nein. Gerade diese „Einschränkung“ beim Portrait, dass man eigentlich immer „das Gleiche“ fotografiert, sehe ich als Herausforderung. Wie kann ich ein Portrait spannend gestalten? Wie kann ich eine Person so zeigen, wie sie noch keiner gesehen hat? Was kann ich heute anders machen? All das macht mir unheimlich viel Spaß!

Auch das Arbeiten mit den unterschiedlichsten Menschen und Typen ist großartig. Ich fotografiere ja nicht unbedingt immer das klassische 08/15 Beautygesicht, sondern habe oft sehr markante und interessante Persönlichkeiten bei mir im Studio. Gesichter, die Geschichten erzählen.

Und mein drittes Lieblingsthema ist das Arbeiten mit Licht. Da lernt man nie aus und kann sich unendlich kreativ austoben.

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Porträtfotografie Cliff Kapatais – Menschen ausdrucksstark in Szene setzen

Beeindruckende und außergewöhnliche Porträts fotografieren, die jedem im Gedächtnis bleiben Von der Porträt-Idee über das Model-Styling bis zur Lichtsetzung und Retusche Inspiration vom Workflow eines Profi-Fotografen und Tipps für kleines Budget

Welche Zutaten machen ein Porträtfoto besonders ausdrucksstark? Der Porträtfotograf Cliff Kapatais beantwortet die Frage, indem er auf diese sechs Komponenten detailliert eingeht:

  • Idee und Geschichte
  • Model
  • Make-up und Styling
  • Licht
  • Kamera
  • Kulisse

Dabei liegt der Fokus immer darauf, ein besonderes Porträt zu fotografieren, das Geschichten erzählt, den Betrachter in andere Welten und Zeiten entführt sowie Emotionen hervorruft.

MITP Verlag EDITION PROFIFOTO – 216 Seiten

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Besonders gut hat mir am Ende das Thema „darf es ein bisschen weniger sein“ gefallen. Das klingt etwas nach Foto-Detox – weniger Technik, weniger Geld ausgeben (Equipment) – und im Gegensatz dazu mehr spontanes Reagieren auf Model, Ort und Licht. Sind die erstgenannten Punkte „Kreativbremsen“?

Es sind nicht unbedingt „Kreativbremsen“, aber man verrennt sich sehr gern darin. Klar, jeder mag neues Spielzeug, aber nicht immer führt das zu besseren Bildern. Wenn man wirklich lernen will besser zu fotografieren, sollte man sich auf das Wesentliche reduzieren. Eine Kamera, ein 50mm Objektiv und ein Model. Mehr braucht es nicht, damit kann man unglaublich viel unterschiedliches Umsetzten. Man konzentriert sich dann weniger auf die technischen Spielereien und den 100sten Blitz, sondern auf das Model, das Bild und die Geschichte die man damit erzählen möchte. Wenn man sich die wirklich großen Fotos des letzten Jahrhunderts ansieht, dann ist es meist nicht die technische Umsetzung, die das Bild ausmacht. Es ist die Geschichte, die es erzählt oder der Moment, der eingefangen wird. Leider vergessen wir das beim Fotografieren gerne.


Das Thema analog Fotografie boomt ja derzeit wieder – ist dieser Schritt zur Begrenzung der Bildzahl, der langsamere Prozess die Antwort auf die Schnelllebigkeit der Digitalen Fotografie?

Ich finde analoge Fotografie sehr entschleunigend und ja: Man wird dadurch fast gezwungen sich vorher zu überlegen, was man eigentlich fotografieren möchte. Anstatt 300 Fotos zu schießen und dann zu hoffen, dass was Gutes dabei ist.

Ich muss aber gestehen, dass ich großer Fan des digitalen Zeitalters bin und ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, rein analog zu arbeiten. Obwohl ich so begonnen habe.

Ich kann aber nur jedem, der sich mit Fotografie beschäftigt, empfehlen mindestens einmal in die Dunkelkammer zu gehen und seine eigenen Bilder zu entwickeln. Das ist schon eine ganz besondere Magie, wenn man wirklich alles selber macht und am Schluss ein Unikat in Händen hält.

Und wie wichtig sind für Dich die Sozialen Medien? Was ist Dein Lieblingsmedium und warum?

Ich finde soziale Medien großartig, aber wir verschwenden damit leider sehr, sehr viel Zeit. Natürlich surfe ich gerne durch Instafeeds, suche mir Inspiration oder lerne auf YouTube neues. Aber da die Plattformen ja genau darauf ausgelegt sind unsere „watchtime“ zu maximieren und uns in ihren Bann zu ziehen, wird aus „ich schau mal schnell 5 Minuten rein“ sehr schnell ein paar Stunden. Ich habe es mir jetzt zur Aufgabe gemacht auch wieder aktiv social media freie Zeit zu definieren. Man muss das Smartphone nicht immer in der Hand haben, ab und zu ins Nichts starren oder einfach in der Realität sein fördert die Kreativität viel mehr.

Derzeit bin ich von Twitch bzw. Livestreamen sehr angetan. Einerseits finde ich es faszinierend, dass zigtausende Menschen anderen beim Gamen zuschauen. Andererseits glaube ich, dass gerade in Zeiten von Covid diese Plattform noch sehr viel Potential hat für spannende und kreative Inhalte.


Ok, nehmen wir an, Covid-19 ist 2021 vorbei. Was sind Deine ganz persönlichen Pläne für Fotoprojekte oder Veranstaltungen? Was steht auf Deiner persönlichen Wunschliste ganz oben?

Oh, da freue ich mich schon auf Einiges! Allem voran auf die PIXEL.POWER, das ist meine Fotokonferenz, die ich in Wien organisiere. Dann möchte ich meine Ausstellung zum Thema „California“ nachholen, die der Pandemie zum Opfer gefallen ist.

Außerdem freue ich mich auch sehr auf Banales, wie endlich wieder ohne besondere Vorkehrungen zu shooten, endlich wieder Menschen umarmen zu können und einfach mal wieder mit Freunden auf ein Bier gehen.

Ich hoffe, daß wir uns bald wieder an diesen „normalen“ Dingen freuen können, sag vielen Dank für Deine Zeit und wünsche Dir alles Gute, Cliff!

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