Es sieht so aus, als hätten wir nun – in rasanter Geschwindigkeit – das nächste Level der generativen Bildgestaltung erreicht.
Gerade hatten wir uns daran gewöhnt, dass das mehr oder weniger plumpe Erstellen von KI-Bildern über Midjourney & Co zur Massenware geworden ist. Künstlich anmutend, zu glatt, leicht erkennbar -als Fake-Fotografien identifizierbar (siehe Beitrag zum VIEPA Award: Wenn KI-Bilder Wettbewerbe gewinnen).
Hat uns das in eine scheinbar falsche, trügerische Sicherheit versetzt und zu schnell beruhigt?
Waren wir uns sicher: KI-Bilder sind durchschaubar und entlarvbar, eine Täuschung nachvollziehbar?
Die bisherige Generation – Bildgeneratoren
Die bisherigen AI-Plattformen sind – aus Sicht des Bildbearbeitungsprozesses – noch deutlich ausbaufähig.
Das Hochladen und Weiterverarbeiten von Bildern wirkt meist zufällig im Ergebnis. Es handelt sich letztlich um reine Bildgeneratoren (Midjourney, ChatGPT, Dale-E), die auf Textbasis neue Bilder erzeugen, jedoch auf Grundlage bestehender Fotografien kaum gezielt steuerbar sind – weder in ihrer Bildlogik noch in der gestalterischen Bildbearbeitung. Der Algorythmus gibt dies nur zum Teil her. Und auch Adobe´s Firefly, das erste generative Tool um Ergänzen von Bildern, war doch eher ein „netter“ Versuch als ein ernstzunehmendes Werkzeug.
Die neue Generation – eingebundene Werkzeuge
Die neue Generation der generativen AI, etwa Googles Nano Banana, agiert vielmehr als Werkzeug: integriert in der neuesten Photoshop (Beta) und ist in der Lage, punktuell in bestehende Fotografien einzugreifen. Sie ist also ein kombiniertes Werkzeug.
Was ist da nun der Unterschied zu den bisherigen Tools?
Auf reiner Textbasis lassen sich damit Lichtsetzung, Farbstimmung oder kleine Retuschen verändern – also Dinge, die wir in der Dunkelkammer, am Vergrößerer oder später in Photoshop längst akzeptiert haben, ohne den fotografischen Charakter eines Bildes in Frage zu stellen.
Doch genau hier beginnt nun das philosophische Rauschen: Wenn KI heute Licht und Stimmung „optimiert“, ist dies dann Manipulation oder nur die Fortsetzung dessen, was wir seit Jahrzehnten in der Bildbearbeitung als selbstverständlich erachten – nur eben schneller, präziser, unsichtbarer, bequemer?
Oder aber, ist hier doch eine Manipulation im Gange, die Bildaussagen verzerren, unsere Sicht täuschen und eine nachvollziehbare Prüfung (Manipulation Ja/Nein) aushebeln kann?
Beides läßt sich mit mit einem klaren „JA“ beantworten. Ob dies nun gut oder schlecht ist?
Praxisbeispiel: Ursprüngliches Portraitbild (Fotografie) + bearbeitet/ergänzt
Ein kleines Beispiel (ursprüngliche Portraifotografie) – nachträglich in Nano Banana per kurzem Text aufgefordert, im Hintergrund Kerzen einzufügen und die Lichtstimmung entsprechend anzupassen.


Ein Test – AI Check des erweiterten Bildes
Zeit für einen kleinen Test mit den gängigen AI-Bild-Check-Tools.



1. AI-Image-Checker – Sightengine
Das Tool hat das Bild als authentische Fotografie eingestuft – wir als Betrachter wären also hinters Licht geführt worden.
An sich ein sehr gutes Tool, das in der Regel auch die verwendeten Generatoren (Midjourney, DALL·E, etc.) erkennt. Der Report ist klar strukturiert – allerdings scheint das Erkennen von punktuellen Änderungen durch Nano Banana noch nicht integriert zu sein.
2. AI-Checker – Undetectable AI
Dieses Tool bewertete dasselbe Bild als 97 % AI-generiert – was ebenfalls nicht stimmt. Der überwiegend fotografische Anteil des Ausgangsbildes wurde hier komplett ignoriert. Der Report wirkt „platt“ und präsentiert sein Ergebnis als Fakt, ohne Details oder Zwischentöne zu liefern.
3. Decopy AI – Image AI Checker
Das dritte Tool hat das Bild sehr strukturiert analysiert und die jeweiligen KI-Elemente bzw. fotografischen Bestandteile präzise voneinander getrennt. Aus meiner Sicht derzeit das beste System, um fotografische Inhalte und AI-Bearbeitungen nachvollziehbar aufzuschlüsseln.
Was bedeutet das nun?
Wie glaubwürdig sind Bilder überhaupt noch?
Ich würde sagen: Nichts ändert sich – und doch alles.
Denn das Werkzeug bleibt ein Werkzeug – selbst wenn es mittlerweile algorithmisch mitdenkt.
Nano Banana ist direkt in die neueste Photoshop-Beta integriert und agiert dort wie ein unsichtbarer Assistent, der Licht, Stimmung und Details nach unseren Wünschen formt.
Was bleibt, ist die kreative Idee – und der Moment, aus dem sie entsteht.
Fotografie lebt vom Sehen, vom Augenblick, vom Stattfinden. Sie ist Ausdruck eines realen Moments, eines tatsächlichen Zusammentreffens von Licht, Zeit und dem bewussten Auslösen.
Wenn wir diese Grenze in der Bildbearbeitung verschieben, dann wird sie durch den Einsatz generativer AI weicher, unsichtbarer – aber sie ist noch da, solange wir AI zum Zweck der Bildbearbeitung einsetzen. Hier unterscheidet sich Bildbearbeitung und Manipulation (nunmehr mit AI) nicht von der Position, die wir seit Jahrzehnten diskutieren.
Sind wir uns ehrlich: Filter, Tools in der Bildbearbeitung (ob Smartphone-Filter, Portraitretusche, Noise-Reduktion, Landschaftsfotografie aber auch generatives Füllen und Skalieren) sind seit Jahren voll von AI-Funktionen, wir haben es vermutlich nur wegignoriert, zum Zweck der kreativen Idee und ihrer Umsetzung im Kreativprozess.
Hat es unserer Kreativität im Umgang mit Fotografie geschadet? Ich denke weniger, oder?
In diesem Sinne: Fotografie bleibt ein Dialog zwischen Auge, Licht und Zeit – und der entscheidende Augenblick bleibt immer noch einzigartig.

