Fotorecht: 7 Fragen an den Rechtsexperten in der Fotografie Sebastian Deubelli

Bildrecht? Urheberrecht? was sind die gängigsten Fehler, die im Umgang mit Urheber-, Bild- und Nutzungsrechten auch auf Fotografenseite gemacht werden?

Sebastian Deubelli ist als Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, Justiziar des Fotografenverbands PIC Verband e.V. und Verbandsanwalt des Bundesverbands professioneller Bildanbieter tätig. Seine Kolumne zu rechtlichen Themen rund um das Fotobusiness erscheint seit 2016 in der Zeitschrift PROFIFOTO.

Ich habe mich mit Sebastian virtuell zum Interview getroffen, um über Fotografie, Urheber- und Bildrecht und sein kürzliches erschienenes Buch „Fotografie und Recht im Fokus“ zu sprechen.

Sebastian, Danke und schön, dass Du Dir die Zeit nimmst für ein Interview mit Bilderausstrom.com.

Du hast Dich ja als Anwalt mit Deiner Kanzlei auf das Thema Fotografie und Recht spezialisiert, hast eine eigene Kolumne in der Profi-Foto. Wie ist der Fokus auf dieses Spezialgebiet entstanden?

Ich war zu Beginn meiner Selbstständigkeit 2013 auf der Suche nach einer geeigneten Spezialisierung. Da ich bereits vorher schon ein wenig im Bereich Bildrecht gemacht habe, und ich die vielen rechtlichen Themen dort ganz spannend fand, war das Rechtsgebiet rasch gefunden.

In Deinem Buch „Fotografie und Recht im Fokus“ gehst Du unter anderem auf die Themen Urheberrecht, Bildrechte und Nutzungsrechte ein. Was sind dabei die typischen Fehler, die von Fotografen gemacht werden? Was ist der häufigste Fehler, den Fotografen in ihrer Wertschöpfungskette begehen?

Ich würde die größten Fahler im Bereich der Leistungsbeschreibung verorten. Hier haben wir einerseits die fehlende oder unzureichende Beschreibung von Nutzungsrechten. Das ist aber entgegen der landläufigen Meinung eher ein Problem der Kunden/Kundinnen. Der häufigste Fehler zum Nachteil der Fotografen/Fotografinnen ist meiner Meinung nach tatsächlich eine nicht ausreichende Beschreibung der eigenen Leistung. Das führt zu falschen Vorstellungen auf Kundenseite und am Ende entweder zu kostenfreien Korrekturrunden oder rechtlichem Ärger.

Wenn Du allgemein auf Deine Klienten blickst, ist es oft Unsicherheit, Leichtsinn oder bloße Ahnungslosigkeit, die zu Urheberrechtsverletzungen führen? Und was sind die klassischen Fälle, die Dich um Rechtsberatung bitten? (Bildrechtsverletzung Täter? Opfer?) Inwieweit sind Abmahnungen dabei das geeignete Mittel zur Durchsetzung von Rechtsansprüchen?

Ich würde nicht sagen, dass Rechtsverletzungen absichtlich begangen werden und daher beinahe keinem Bilderdieb Vorsatz unterstellen. Allerdings ist der Grad an Leichtigkeit, mit dem fremde Inhalte aus dem Netz bezogen und für eigene Zwecke eingesetzt werden, ebenfalls bemerkenswert. In der Konstellation rund um Urheberrechtsverletzungen beauftragen mich meist die Urheber*innen, da wir die Vertretung von Rechtsverletzern und Rechtsverletzerinnen bis auf wenige Ausnahmen nicht übernehmen.

DSGVO – ein Thema das vor 2 Jahren Jahr viel Wirbel verursacht hat. Einige Blogbetreiber haben damals kurzfristig aus Rechtsunsicherheit ihren Betrieb eingestellt, um ja nichts falsch zu machen. Wie siehst Du das Thema mit einem gewissen zeitlichen Abstand? Haben sich die ersten Wogen geglättet?

Ich habe mich schon damals schwer getan, den Wirbel um die DSGVO nachzuvollziehen. Klar standen da einige große Fragezeichen im Raum. Allerdings war mir auch klar, dass diese nicht dazu führen werden, dass Websites abgedreht oder Existenzen beendet werden müssten.

Mit einigem Abstand hat sich das Thema ein wenig eingependelt und ich denke, dass wir aktuell deutlich unaufgeregter mit der DSGVO umgehen. Es gibt immer noch viele Fehler die gemacht werden, aber ich habe den Eindruck, dass damit weniger panisch umgegangen wird, was ich sehr begrüße.

Wenn man sich die AGBs von Facebook, Instagram, WhatsApp und Co durchliest, ist dort festgehalten, dass die Nutzungsrechte durch posten übertragen werden. Stellen Fotografen hier oft zu unbedarft ihre Bilder „frei Haus“ zur Verfügung? Wie stehst Du zum Thema Social Media und Internetgiganten?

Die Nutzungsbedingungen der sozialen Netzwerke geben in der Tat so einiges her und würden den Betreibern weitreichende Möglichkeiten geben, hochgeladenes Material zu verwenden. Da sie in der Praxis davon aber kaum bis gar nicht Gebrauch machen, ist das mittlerweile ein eher theoretisches Thema. Ich denke, dass Social Media in der heutigen Zeit gerade für Berufe, die visuelle Inhalte schaffen, kaum mehr wegzudenken ist und sehe die AGB in dem Kontext als ein notwendiges Übel an.

Corona und Fotografie/Recht ist ein eigenes Kapitel in Deinem Buch gewidmet. Was konntest Du hier seit Pandemiebeginn beobachten?

Wir haben allgemein eine steigende Streitlust beobachtet, was meiner Meinung nach eher an der emotionalen Situation vieler Mitmenschen liegt. Das Hauptthema in unserer Kanzlei waren verschobene oder final geplatzte Jobs und damit teilweise existenzbedrohende Umsatzeinbußen auf Seiten der Fotograf*innen und die Versuche, die Kunden nicht aus den Verträgen zu lassen. Das hat den Kundenbeziehungen wahrlich nicht gut getan, aber ich konnte auch viele Fotograf*innen beobachten, die dieses Thema mit viel Empathie und Fingerspitzengefühl angegangen und teilweise deutlich bessere Ergebnisse erzielt haben, als nach dem Schwingen der juristischen Keule.

Und abschließend die Frage an Dich – fotografierst Du selber?

Leider nicht. Ich habe mir vor Jahren eine tolle Kamera gekauft und dann festgestellt, wie viel Zeit und Hingabe nötig sind, um vernünftige Fotos zu machen. Da ich grundsätzlich eher den Ansatz vertrete, Dinge ordentlich oder gar nicht zu machen, dokumentiere ich die für mich wichtigen Ereignisse mit dem Smartphone… Allerdings hat diese Erfahrung meine Wertschätzung für Fotografie noch einmal auf ein neues Level gehoben. Ich bekomme durch meine Mandant*innen immer wieder tolle Einblicke und Tipps, sodass ich es nicht ausschließe, dass ich eines Tages doch noch besser in die Welt der Fotografie eintauchen werde.

Sebastian, vielen Dank für Deine Zeit und alles Gute!


Buchtipp: Fotografie und Recht im Fokus

In seinem Buch „ Fotografie und Recht im Fokus“ zeigt Sebastian Deubelli die rechtliche Möglichkeiten und Grenzen in der Fotografie verständlich und anschaulich auf.  Aus der erfahrenen Sicht eines Fachanwalts liefert er eingängige Tipps und Erläuterungen zu typischen Streitthemen und aktuellen Gesetzesvorgaben. Begriffe wie Urheberrecht, Nutzungsrecht und Bildrechte werden verständlich strukturiert und in Kontext gebracht.

Dabei geht er auf Fragen ein wie: Meine Bilder wurden geklaut – und nun? Darf ein Kunde meine Fotos bearbeiten? Welche Auswirkungen hat die DSGVO auf mein Business?  Sollte ich als Fotograf Nutzungsrechte großzügig gewähren? Gibt es unterschiedliche Lizenzrechte bei Facebook, Instagram und Twitter? Was muss ich bei Verträgen beachten?

Zusätzliche Checklisten für Fotografen leisten Hilfestellung um im eigenen Geschäftsalltag Fehler zu vermeiden und Rechtsunsicherheiten zu umschiffen.

ISBN: 9783747503256

von Sebastian Deubelli
1. Auflage 2021
184 Seiten

MITP Verlag – Link zum Buch


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