Betrug Fotowettbewerb KI Bild VIEPA Photo Award Vienna AI generated

Was passiert, wenn ein KI-generiertes Bild einen renommierten Portraitfotowettbewerb gewinnt – und niemand merkt, dass es gar kein echtes Foto ist?

Was wie ein Gedankenexperiment klingt, ist längst Realität. In der Flut visueller Bilder, in der alles möglich scheint, verschwimmen die Grenzen. Zwischen Authentizität und Simulation. Zwischen Fotografie und Fiktion. Zwischen Kunst und Täuschung.

Am Wochenende sah ich durch Zufall die Gewinnerbilder eines namhaften Fotowettbewerbs (VIEPA Photo Award 2025) und das Gewinnerbild der Kategorie Portrait/People Photography ließ mich stutzen.

Im vorliegenden Fall kam mir das Bild zu glatt und technisch vor und wiess die typischen KI-Kriterien (Bart) auf. Kaum verwunderlich, der KI-Scanner zeigte 99% KI-genriert an. Das restliche Portfolio des „Fotografen“ war ebenso KI-generiert.

VIEPA Award 2025
Gewinner VIEPA Photo AWARD 2025 – KI generiertes Bild und keine Fotografie (Kategorie People and Portrait Photography)

Ein Bild, KI generiert, hatte einen renomierten Fotowettbewerb als Hauptsieger in der Kategorie People and Portrait Photography gewonnen?

Und das im Jahr 2025, nachdem der Berliner Fotograf und KI-Aktivist Boris Eldagsen vor 2 Jahren beim Sony Award mit seiner Aktion genau für dieses Thema sensibilsiert hatte, als er seinen Preis öffentlichwirksam zurückgab?

Als ich den Veranstalter und Organisator des Wettbewerbs, zeitgleich Leiter einer namhaften österreichischen Akademie für Fotografen, darauf angesprochen habe, kam nur ein lapidares „ist doch egal, ist doch schön“.

Und genau hier beginnt aus meiner Sicht das Problem. Ein Bild mag vielleicht ästhetisch schön sein, aber da ist doch noch mehr, oder?

Fotografie ist mehr als ein schönes Bild

Ein gutes Portrait ist kein Produkt des Zufalls, ein beliebig erstellbares Resultat auf Knopfdruck.
Es ist ein Dialog zwischen Fotograf*in und Modell. Zwischen Licht und Ausdruck. Es ist Nähe, Intuition, ein Moment – festgehalten mit einem echten Blick und echter Erfahrung und Sehen. Es ist einzigartig und eine Fazette der Zeit, ein Konservieren des Unwiederbringlichen.

Wer diesen schöpferischen Prozess durch eine KI ersetzt, generiert vielleicht ein technisch perfektes Bild. Aber es fehlt etwas Zentrales: Wahrhaftigkeit und die Seele eines Bildes, der Augenblick.

Ein KI-generiertes „Portrait“ ist kein Dokument der Welt. Es zeigt kein Gesicht, das gelebt hat. Kein Blick, der gesehen hat. Kein Lächeln, das gefühlt wurde. Es zeigt eine Vorstellung, ja – aber nicht die eigentliche Wirklichkeit und den Augenblick.


Warum reicht jemand ein KI-generiertes Bild in einem Wettbewerb ein?

Weil es einfach ist?
Weil es Aufmerksamkeit bringt? Klicks/Likes oder wie im vorliegendem Fall sogar einen Auszeichung und einen Hauptpreis?
Weil es keine klaren Regeln und Definitionen gibt?
Vielleicht auch aus Unwissenheit, weil viele nicht sehen (oder nicht sehen wollen), was der Unterschied zwischen einem Bild und einem Werk ist.

Die Technik macht es vielleicht möglich – aber das macht es doch noch lange nicht legitim.

Denn Kunst und Fotografie ist nicht nur, was machbar ist. Sondern was ausgedrückt wird.



Wettbewerbe brauchen Vertrauen – nicht Trickserei

Wenn jemand mit einem KI-Bild einen klassischen Fotowettbewerb gewinnt – und es nicht offenlegt – ist das kein Spiel mit Grenzen mehr. Es ist eine bewusste Täuschung.

Denn Wettbewerbe leben von Regeln. Von Respekt gegenüber anderen Teilnehmer*innen. Von einem gemeinsamen Verständnis dessen, was „Fotografie“ bedeutet.

Wer ein KI-Bild einreicht und als fotografisches Werk ausgibt, bricht dieses Vertrauen. Er/sie verzerrt und raubt jenen den Raum, die mit einer echten Kamera, echtem Licht und echtem Menschen arbeiten. Die sich Zeit nehmen. Kreativität einsetzen, Scheitern, Wachsen und ja, die „Ernte“ ihrer Arbeit durch Auszeichnungen und Wertschätzung einfahren.

KI ist kein Feind. Aber ist Ehrlichkeit Pflicht?

Versteht mich nicht falsch: KI ist ein mächtiges Werkzeug. Auch in der Kunst. Auch in der Fotografie. Aber sie ist kein Ersatz für das Sehen, Fühlen, Erleben – was für mich die Fotografie und im Speziellen die Portraitfotografie ausmacht.

Und wer meinen Blog regelmässig ließt, weiß auch, dass ich mit KI im Prozess gerne in meinen Objektarbeiten arbeite, ihr aufgeschloßen gegenüber stehe und mich positiv mit dem Neuen auseinandersetze. KI kann ein kongenialer Partner im Kreativprozess sein.

Wer mit KI arbeitet, darf das tun – aber ich finde er/sie sollte es offen sagen.

Transparenz ist die einzige Brücke zwischen Innovation und Integrität.
Und vor allem auch der Schlüssel zur Akzeptanz.

KI sollte nicht Angst machen, dadurch, dass sie nicht entschlüsselbar und nachvollziehbar ist. Dass sie uns täuscht und wir in der Unsicherheit leben, ob das Perfekte und Glatte real (tatsächlich existent), reell (ehrlich, wirklich, transparent) oder künstlich, algorythmisch entstanden ist.

Eine KI ist letzendlich durch Werke von Fotografen (ohne deren Zustimmung) trainiert worden, aber sind die Bilder dadurch fotografisch und werkgleich?

Ein KI-Bild in einem Portraitfotowettbewerb zu zeigen und als eigene fotografische Arbeit auszugeben – das ist kein kreativer Akt. Es ist ein Betrug: An der Jury, an den restlichen Teilnehmern, an der Kunst. Und letztlich – und das finde ich am traurigsten: an sich selbst.

Wir brauchen aus meiner Sicht neue Begriffe (Fotografie vs Promptografie), neue Kategorien, neue Wettbewerbe, vielleicht auch neue Regeln – aber vor allem brauchen wir: Ehrlichkeit.

Denn in einer Welt voller Fakes wird die Wahrheit und vielleicht auch das Unperfekte zur eigentlichen Kunst.

Liege ich mit dieser Sichtweise so verkehrt?

PS: der Auszug der Teilnahmeregeln des VIEPA Photo Award 2025, die eigentlich die Auszeichnung eines KI-Bildes unmöglich machen sollten, (da klar auf Fotografien im Sinne von Lichtbilder verwiesen wird und diese auch klar von Prortaitfotografie im Sinne mit „Menschen und Emotionen“ sprechen), sind meiner Meinung nach lückenhaft – zumindest aus der gegenwärtigen Sicht 2025. Der Veranstalter versuchte sich mit einem „wir erlauben medienunabhängige“ Einreichungen (was so in den Teilnahmebedingungen aber nicht zu finden ist) herauszureden. Dass die Teilnahmeregeln aus dem Jahr 2022 stammen und keinerlei Bezug zu KI-generierten Bildern aufweisen, zeugt allerdings von einer grenzenlosen Naivität seitens des Veranstalters, wie ich finde. Die Welt der Fotografie hat sich weitergedreht.


16 thoughts on “Täuschung und Betrug? Wenn KI-Bilder Wettbewerbe gewinnen

  • 06/08/2025 at 9:57
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    Das ist natürlich Betrug. Aber ich hätte auch nicht gedacht, dass das Foto obwohl man ihm die KiGenerierung nicht auf den ersten Blick ansieht, irgendwie preiswürdig ist. Kannst du mir erklären was daran so besonders ist?

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    • 06/08/2025 at 10:13
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      Wäre es ein echtes Portraitfoto, würde der Mann sicherlich auch interessanter wirken. Im Bild (was auf dem Screenshot nicht gut sichtbar ist) wurden zudem die Augen des Mannes als auch der Katze unnatürlich blau coloriert. Was zusätzlich irritiert. Ich finde auch – selbst für eine KI Generierung – die Bildästhetik flach – was am Input des Erstellers liegt.

      Warum die Jury aus Experten und Expertinnen dieses Bild als Hauptgewinn in der Kategorie Portrait/People gewählt hat, weiß wohl nur sie. Meiner Meinung nach sollten sie sowohl KI-erstellte Bilder erkennen, bzw. ein gutes Portraitwerk differenziert bewerten können.

      Die lapidare Antwort des Veranstalters war, nachdem ich nochmals nachgehakt hatte, „das bildgebende Medium ist in allen Sparten frei (siehe Teilnahme Bedingungen)“ – was im übrigen nicht der Fall ist. Dieser Satz ist dort nicht aufgeführt. Die TN sind aus dem Jahre 2022.
      Ich sage mal – da hat jemand gepennt und fürchtet nun die Geister, die er rief.

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  • 06/08/2025 at 20:46
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    Was bei solchen nachlässigen Einstellungen verloren geht, ist die Frage der Authentizität. Wenn man sich die nicht mehr stellt, dann geschieht es einem recht, wenn man in einem Strudel von schönen Bildern untergeht.

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  • 06/08/2025 at 20:53
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    Meine Meinung zu KI-generierten „Fotos“ aus der Sicht eines Amateur-Fotografen ist: mit KI hergestellte Bilder sind schon eine faszinierende Möglichkeit der Darstellung. Die Möglichkeiten, die uns diese Intelligenz noch bieten wird, kann man heute nur erahnen. Wer es mag, sollte sich in diese Materie einarbeiten und versuchen, an ein – auch unprofessionelles Foto – heranzukommen. ABER: kennzeichnet es auch als das, was es ist und steht dazu. Mir wäre es zu peinlich, so ein Bild als Foto zu veröffentlichen, um dann von einem Profi auf die Irreführung angesprochen zu werden. Peinlich, peinlich.

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    • 06/08/2025 at 20:59
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      Es ist irgendwie (vielleicht liegt das an den TV Bildern der letzten Tage) als würde ich die Tour de France mitfahren, gewinnen, … und gleichzeitig weiß ich, ich war gedopt.

      Über den „Toursieg“ (in diesem Fall ein Fotopreis) kann man sich doch nicht freuen, wenn man so gewinnt.

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      • 06/08/2025 at 21:03
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        Völlig richtig. Oder sieh dir doch nur die „Männer“ an, die sich als Frau bei Wettkämpfen eintragen lassen – und gewinnen. Ist klar. Im Männersport ziehen die dagegen keinen Hering vom Teller.

  • 09/08/2025 at 1:29
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    Sehe ich genauso auch im Bereich des Textens / Blogges, auch da erwarte ich entsprechende Transparenz-Hinweise wenn von KI kopiert wird

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  • 26/10/2025 at 12:19
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    Ich bin echt fassungslos, habe gerade den Zeitungsartikel gelesen, das dieser Typ auch noch Dozent ist, KI mit digitaler Fotografie auf eine Schiene zu stellen, da ja strenggenommen beides keine Fotografie ist?? Es macht echt Angst wie diese Entwicklung fortschreitet. Auch Besucher auf einer Ausstellung mit meinen Bildern hörte ich wie sie reden und meinten die Bilder wären KI generiert, ich habe sie natürlich sofort aufgeklärt, dass dies reale Fotografien sind aber es war ziemlich erschreckend.
    Liebe Grüße

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    • 29/10/2025 at 10:03
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      Ja das Verhalten bzw. diese Sichtweise ist wirklich erschreckend. Fotografie als solches so darzustellen, kaum fassbar. Aber wie ein Kommentar treffend erkannt hat, damit hat er sich und seinen Akademien einen Bärendienst erwiesen.

      Darüberhinaues gepaart mit völligem Unwissen: „KI-Werke sind urheberrechtlich geschützt“ (s. Interview Standard) -> nach deutschem Recht ist dies nicht der Fall – wie soll auch ein „Werk“ urheberrechtlich geschützt sein, bei dem weder Autorenschaft, noch KI-Model (auf Basis wessen Werke (die im Übrigen urheberrechtlich geschützt sind) wurde dieses angelernt?) eindeutig geklärt ist.

      Ich fürchte auch in der Lost Places Szene werden sich „Fotografen“ mit Werken hervortun, die KI-generiert sind, um so die spektakuläraren Szenerien zu liefern.
      Aber auch hier finde ich gilt, der Moment, die Stimmung, die Geschichte und das Licht, das Du einzigartig in einer Fotografie einfängst und in eine Ausstellung bringst vs. ein schnell gepromptetes Werk, das nicht existent ist, im ersten Augenblick eindrucksvoll wirkt, aber ohne Geschichte und Ort ist. Eine leere „Hülse“.

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  • 29/10/2025 at 11:28
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    Moin,

    bei diesem Bild habe ich sofort erkannt, dass es sich nicht um eine Fotografie handelt.
    Es gibt nicht einen einzigen Menschen weltweit, dessen Linke und Rechte Augenbrauen so perfekt übereinstimmen. Auch die Augen und Falten darunter wirken gespiegelt.
    Wenn diese Tatsache den Jurorinnen und Juroren nicht aufgefallen ist, stellt sich die Frage nach deren Sehkraft.
    Die Frage nach der Moral des Einreichers dieses „Bildes“ erübrigt sich.

    So wird die Arbeit ehrlicher Fotografinnen und Fotografen mit Füßen getreten.

    Wir alle können nur hoffen, dass sich solch ein Vorfall nicht wiederholt oder gar zur Selbstverständlichkeit wird.

    Beste Grüße
    Hermann

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    • 29/10/2025 at 14:34
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      Die Aussage des Veranstalters „ist doch schön“ war schon sehr gewagt. Gerade auch im Anbetracht, dass es sich um einen Fotowettbewerb (siehe eindeutige Teilnahmeregeln) gehandelt hat.
      Ehrlicher wäre eine klare Position gewesen, vielleicht auch mit der Aussage „wir waren nicht in der Lage, dies zu erkennen.“
      Das nachfolgende Interview hat es, wie gesagt, nicht besser gemacht. Denn dies zeigt, ein Konzept, wie mit KI-generierten Bildern umgegangen werden soll, hat komplett gefehlt.
      Was fast noch schlimmer ist, leider wurde auch im Nachgang fehlende Einsicht mit Scheinkompetenz überdeckt .

      Warum ein Bild wie dieses keinen Portraitfotowettbewerb gewinnen hätte dürfen?
      So wie du geschrieben hast: es ist kein Portrait eines Menschen, es ist keine Fotografie.

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