Available Light, auch als natürliches Licht oder Umgebungslicht bezeichnet, bezieht sich in der Fotografie auf das vorhandene Licht in einer Szene ohne zusätzliche künstliche Lichtquellen. Es umfasst natürliches Sonnenlicht, Mondlicht sowie künstliche Lichtquellen wie Straßenlaternen oder Innenbeleuchtung von Räumen, die bereits vorhanden sind. Available Light wird oft verwendet, um eine authentische und natürliche Atmosphäre in Fotos zu schaffen, und erfordert besondere Techniken und Einstellungen, um die bestmögliche Belichtung und Bildqualität zu erzielen.
Du stehst vor der Herausforderung, mit Available Light – dem vorhandenem Licht – Portraits zu fotografieren?
Das Arbeiten mit Available Light eröffnet oft kreative Herausforderungen, da man lernen muss, mit den gegebenen Lichtverhältnissen umzugehen und das Beste daraus zu machen. Gleichzeitig fördert dies ein tieferes Verständnis für Licht und seine Wirkung auf das Motiv. Schnell lernt man, die Vorteile und Besonderheiten jeder Lichtquelle zu erkennen, um sie kreativ zu nutzen.

Das Portrait mit Topaz ist auf dem Dachboden einer alten Scheune bei fast vollständiger Dunkelheit entstanden (Belichtung 2sec, Stativ).
1. Verstehe das Licht
Der erste Schritt, um Available Light effektiv zu nutzen, ist das Verständnis für das Licht. Beobachte die Lichtquellen in deiner Umgebung genau. Ist es natürliches Tageslicht von einem Fenster, das sanft in den Raum strömt? Oder sind es künstliche Lichtquellen wie Lampen oder Kerzen? Indem du das Licht verstehst, kannst du entscheiden, wie du es am besten nutzen kannst.



2. Beachte die Richtung des Lichts
Die Richtung des Lichts hat einen erheblichen Einfluss auf das Aussehen deiner Portraits. Seitliches Licht kann Textur und Tiefe erzeugen, während Frontlicht weiche und flache Ergebnisse liefert. Im Prinzip geht es darum, „Licht zu lesen“, um es gezielt einsetzen zu können.



3. Verwende Reflektoren
Reflektoren sind großartige Werkzeuge, um Available Light zu steuern und aufzuwerten bzw. zu verbessern. Ein weißer Reflektor kann dazu beitragen, Schatten aufzuhellen, während ein goldener Reflektor wärmeres Licht erzeugt. Halte einen Reflektor so, dass er das vorhandene Licht zurück zum Model reflektiert und so unerwünschte Schatten minimiert.



Tipp: Ich habe Reflektoren von Sunbounce und Voto im Einsatz. Der Voto ist mein Favorit da einfach und schnell zusammengebaut. Bei beiden Bildern wurde das Sonnenlicht „gebounced“ auf das Model geschickt. Das Gegenlicht wurde dabei reflektiert.
4. Nutze natürliche Hintergründe
Das Umgebungslicht bietet oft die Möglichkeit, natürliche Hintergründe in deine Portraits einzubeziehen. Ob ein sonniger Park, ein Wald mit Streulicht oder eine beleuchtete Stadtstraße – der Hintergrund kann das Portrait ergänzen und eine Geschichte erzählen. Achte jedoch darauf, dass der Hintergrund nicht zu sehr ablenkt und das Hauptaugenmerk auf dem Model liegt.

Im Bild war das Streulicht der Bäume ideal für die Portraitszene auf der Baumwurzel. Von vorne wurde zusätzlich ganz leicht ein Blitz (Porty) geschickt, um das Gesicht von LoisBeard zusätzlich zu beleuchten.
5. Achte auf die richtige Belichtung
Um die beste Belichtung zu erzielen, empfehle ich, die Belichtungseinstellungen deiner Kamera manuell zu steuern. Dies ermöglicht dir, die Blende, Verschlusszeit und ISO so anzupassen, dass das Licht perfekt auf das Model fällt. Benutze die Belichtungskorrektur, um bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen. Das Belichtungsdreieck hilft dir, schnell die richtige Kameraeinstellung vorzunehmen (je nachdem was du kreativseitig planst: Bokeh (Offenblende, Bewegung (Zeit),…)


Tipp: Das Belichtungsdreieck ist der „heilige Gral“ des Fotografierens und hilft das Licht und seine Wirkung in der Kamera zu verstehen.
6. Plane den Zeitpunkt des Shootings
Der Zeitpunkt deines Shootings kann einen erheblichen Einfluss auf die Qualität des Available Light haben. Das sogenannte „Goldene Stunde“ kurz nach Sonnenaufgang oder vor Sonnenuntergang bietet weiches, warmes Licht und ist oft ideal für Portraits im Freien.

Das Bild mit Marina ist an einem See entstanden. Um die optimale Lichtsituation zu erzielen, waren 5 Minuten entscheidend – zuvor starke Abendsonne, mit zuviel Licht – 5 Minuten später, warme Hauttöne bei Sonnenuntergang. Das Licht kam direkt von vorne, im richtigen Winkel.
7. Übe und experimentiere: „lese das Licht“
Schließlich ist Übung der Schlüssel. Nutze jede Gelegenheit, um mit Available Light zu arbeiten und verschiedene Techniken auszuprobieren. Jeder Ort und jede Lichtsituation ist einzigartig, und du wirst mit der Zeit ein besseres Gefühl dafür entwickeln, wie du das Licht am besten nutzen kannst. Ich hab mir angewöhnt, während eines Shootings bewusst die Technik (Kunstlicht, Blitz) für einen Moment aussen vor zu lassen, mich auf das vorhandene Licht im Raum oder vor Ort zu orientieren, dies zu „lesen“ und nur damit (Available Light) zu fotografieren.



Beide Aufnahmen sind mit dem vorhandenem Raumlicht (Lampen im Raum und Tageslicht) entstanden. Die Farben und Hauttöne wirken dadurch harmonischer und weicher als mit Kunstlicht.
Darf ich Available Light und Kunstlicht kombinieren?
Natürlich kann Available Light zusätzlich mit künstlichem Licht (Blitz) kombiniert werden, wie es ja auch bei Filmproduktionen erfolgt.
Genau hier liegt eine interessante Herausforderung, diese Kombination authentisch und realistisch aussehen zu lassen.


Im ersten Bild war das vorhandene Licht und der Schatten Bildbestimmend – gleichzeitig sollte die Bewegung (Sprung Tezz) eingefroren werden -> zusätzlich Blitz (leicht) von vorne. Beim zweiten Bild war im Hintergrund eine Vitrine mit Schaugläsern (beleuchtet, Kunstlicht) vorhanden – das Portrait von LoisBeard wurde durch ein Fenster (vorn Vorne) weich und natürlich ausgeleuchtet.
Kreative Herausforderungen und Möglichkeiten durch Available Light
Available Light in der Portraitfotografie schafft eine authentische und stimmungsvolle Bildesprache, die mit künstlichem Licht nur schwer zu erreichen ist. Gerade das macht das Arbeiten damit so spannend, da es vorhanden ist und begrenzt steuerbar ist.
Für mich persönlich ist das „Lesen des Lichts“ ein Schlüssel zur Fotografie, den ich bewusst als Element einsetze. Bevor ich ein Bild mache, überlege ich mir erst die Antworten zu den folgenden Fragen: Wo kommt das Licht her? Welcher Licht und Schattenanteil wird dadurch beeinflusst? Wie muss ich das Motiv, bzw mich dazu positionieren oder muss ich gegebenfalls Licht hinzugeben (Reflektor)?
Available Light und das „Lesen des Lichts“ hat einen weiteren Vorteil: Auch das Arbeiten mit Kunstlicht (Studio) wird dadurch positiv beeinflusst, denn auch hier gilt – Studiolicht sollte natürlich auf unser Auge wirken und so sollten wir es einsetzen.


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