Licht in der Low-Light Fotografie

Fotografie ist das Malen mit Licht (und was oft vergessen wird) mit Schatten. Gerade beim Fotografieren mit wenig Licht (Low Light) ist es wichtig, die Grundlagen des Fotografierens bei schwachem Licht zu berücksichtigen.

Und egal ob Lost-Places, blaue Stunde oder On-Location Portraitshooting – es gelten die gleichen Gesetze für Lichteinfall, Blende, Zeit und ISO wie bei der restlichen Fotografie. Der zusätzlich Reiz der Low-Light Fotografie liegt darin, das Vorhandene Licht (und die Schatten) ohne Zuhilfenahme von Blitz & Co. bestmöglich kreativ auszunutzen.

Tipp 1 – Hoch mit den ISO – keine Angst die Kamera kann das!

Je höher die ISO-Zahl, desto empfindlicher reagiert der Sensor der Kamera auf das einfallende Licht. Das zusätzliche Rauschen, das durch die Verwendung eines hohen ISO erzeugt wird, kann in der Nachbearbeitung etwas herausgefiltert werden.

Die Aufnahme im RAW-Format ermöglicht die größte Flexibilität bei der Nachbearbeitung. Von daher der Tipp Hoch mit den ISO – keine Angst vor der Low-Light Fotografie.

Alle Aufnahmen oben sind als Low-Light Portraits entstanden. Da wenig Licht vorhanden war bzw. wegender Lichtstimmung auf künstliches Licht verzichtet wurde – wurde der ISO-Wert erhöht.

Tipp 2 – Offenblende (größere) Blende nutzen

Je größer die Blende, desto mehr Licht fällt in das Objektiv. Aufnahmen mit Blende 2.8 lassen mehr Licht hinein als Aufnahmen mit Blende 18.

wichtige Info: je niedriger die Zahl, desto größer die Blende).
* Große Blende (z.B. 1.4 = Bokeh, schön für Portraits)
* kleine Blende (z.b. f18 = viel Tiefenschärfe – schön für Landschaft und blaue Stunde)


Tipp 3 – Verschlusszeit verlängern – mehr Licht aber auch Gefahr von Verwacklungen

Je länger der Verschluss geöffnet bleibt, desto mehr Licht wird eingefangen. Desto eher besteht aber auch die Gefahr, dass ein Bild verwackelt wird.

Eine gute Faustregel für verwackelungsfreie Aufnahmen aus der Hand liefert die Reziprokregel (5 Tipps gegen verwackelte Bilder – so gelingen scharfe Fotos). Diese besagt, dass die Verschlusszeit in etwa der Umkehrwert der Brennweite sein sollte – d.h. bei einem 50mm Objektiv 1/50s. bei einem Tele mit 200mm wären dies dann 1/200s – bei der noch ohne Verwackeln ausgelöst werden kann.

Hat die Kamera und/oder das Objektiv einen Imagestablisator? Dann einschalten und nutzen! Denn dieser verlängert das mögliche Auslösen aus der Hand.

Extra-Tipp: Einsatz eines Stativs
Bei statischen Aufnahmen ein Stativ einsetzen. Dies erhöht die möglichen Aufnahmezeiten (und Lichteinfall).

Beim Einsatz eines Stativs ist wichtig
– Imagestabilisator (IS) aus, denn dieser würde hier kontraproduktiv Schwingungen erzeugen.
– Fernauslöser, App oder Kabelauslöser einsetzen (verhindert Verwackeln beim direkten Auslösen an der Kamera).
– Stabilität prüfen: schwingender Holzboden (Lost Place)? Wind und Sturm (Stativ mit Rucksack beschweren)?

Tipp 4 – Licht „sehen“

Beim Fotografieren neigt man schnell dazu, Licht ins Dunkle bringen zu wollen. Ein Trick den ich gerne mache ist, bevor ich die Kamera vor das Auge halte das einfallende Licht zu sehen.

Oft erschließt sich hier dann schon, dass Licht und Schatten entsprechende Linien und Flächen formen. Ein Bild wird dadurch strukturierter und spannender. Gerade bei Schatten neigen wir dazu, diese aufhellen zu wollen. Aber was spricht dagegen diese „schwarz“ zu belassen um den Fokus auf die hellen Bereiche zu lenken?

Tipp 5 – Belichtungskorrekturfunktionen der Kamera nutzen

Die Skala vieler heutiger DSLRs/DLRs erlaubt von -3 bis +3 Stopps in 1/3-Stopp-Schritten. Beim Stellen der Belichtungskorrektur nach Rechts (positiver Bereicht) wird das Foto gezielt überbelichtet (beim Stellen nach Links entsprechend dunkler). Eine schnelle und einfache Art, die Belichtung anzupassen ohne direkt Blende, ISO oder Zeit verändern zu müssen.

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