Knochenkirche von Sedlec – 60.000 Skelette schmücken und verzieren das Gotteshaus

In Kutna Hora (Tschechische Republik, mittelböhmisch, Kuttenberg) einer alten Silberstadt, die zu Beginn des Mittelalters zu einer der einwohnerreichsten Städte Europas gehörte, liegt eine eindrucksvolle und zugleich bizarre Sehenswürdigkeit: Die Knochenkirche von Sedlec. Sie wurde aus über 60.000 Skeletten errichtet.

Die allesumfassende Frage die einem sofort durch den Kopf schießt: Woher stammen all die Knochen  – warum wurden diese zu einer Kirche zusammengefügt?

Knochenkirchen (Ossarium, lat. Os = Knochen, Gebeinhaus) sind in ihrer Form zwar ungewöhnlich, aber doch an einigen Stellen im europäischen Kulturraum anzutreffen. Was die Knochenkirche von Sedlec aber auszeichnet, ist die pure Anzahl an Gebeinen und deren Anordnung und Ausschmückung.

Bei Betreten umhüllt einen sofort die einzigartige Aura des Raumes (bei unserem Besuch spätabends zu Allerseelen nur mit Kerzen beleuchtet). Mystisch und dunkel erheben sich Knochen und Schädel zu gotischen Formen und Ornamenten.

Hier war es gut, dass wir eine eigene Gruppenführung hatten. Denn ansonsten würde man die Kirche zwar beeindruckt aber doch uninformiert und ohne den notwendigen historischen Kontext verlassen.

An der Stelle der heutigen Knochenkirche stand ursprünglich ein Kloster, das durch Waldsanssener Zisterzienser-Mönchen gegründet wurde. Der Sage nach fand ein Bruder Anton dort Silber und markierte die Stelle mit seine Kutte.

Durch den Status als alte Silberstadt (ähnlich wie Schwaz in Tirol) war die Stadt für die damalige Zeit wohlhabend, mehr als überbevölkert (nach Prag war es die zweitgrößte Stadt Böhmens) und wuchs rasant.

Der Friedhof des Klosters wurde durch verstreute heilige Erde aus Golgotha (vermutlich durch Kreuzfahrer aus Jerusalem mitgebacht) ab dem 13. Jahrhundert zu einem Magneten für Bestattungen. Sogar Menschen aus den benachbarten Regionen ließen sich hier bestatten, in der Hoffnung auf Auferstehung und das ewige Leben. Die Größe der Stadt, Pestepedemien und die Hussitenkriege führten zu weiteren Zustrom an Verstorbenen und der Beisetzung ihrer Gebeine.

Bei Bau der Kirche im 15.Jahrhundert wurden die freigelegten Knochen in ein Gebeinhaus gelegt und von einem blinden Mönch zu eindrucksvollen Pyramiden aufgeschichtet. Im 19.Jarhundert fügte schließlich ein, zur Renovierung beauftragter örtlicher Schreiner fügte in vierjähriger Arbeit die gereinigten Knochen zu illustren Leuchtern, Bögen, Altar-  und Säulenornamenten zusammen. Auch das Wappen der Auftraggeber (Fürsten zu Schwarzenberg) bildete er aus menschlichen Gebeinen nach, welches auch heute noch im Seitenschiff der Knochenkirche zu besichtigen ist.

Bis auf jährlich zwei Gottesdienste im Jahr (Allerheiligen und Allerseelen) finden in der Knochenkirche keine heiligen Messen statt. Die Kirche ist ganzjährig zu besichtigen. Aufgrund des großen Touristenansturms der letzten Jahre ist jedoch geplant ab Januar 2020 ein Fotografierverbot (vor allem Selfies) zu verhängen, um dem Gotteshaus ein Stück Würde zurück zu geben.

Kutna Hora liegt ca. 1 Stunde östlich von Prag entfernt und ist gut per Bahn, Bus und Auto zu erreichen und gehört aufgrund ihrer Geschichte und Prachtbauten zum UNESCO – Weltkulturerbe.

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